Vom Jesuitenstaat zur Republik 70 Jahre nach der Landung der Spanier am Rio Paraguay gestattete König Philipp II von Spanien dem Orden der Gesellschaft Jesu (Jesuiten) das Missionieren der Guarani-Indianer in der abgelegenen, kaum erforschten Provinz Guairä. Innerhalb kürzester Zeit schufen die Jesuiten viele große landwirtschaftliche Siedlungen, in denen bis zu 200 000 Menschen Arbeit fanden, überwiegend missionierte Indios, die bisher nur ein Nomadenleben gekannt hatten. Rund 150 Jahre lang prägte diese Epoche die Guaranies. Inzwischen gab es aber auch unzählige spanische Kolonisten, die die Indianer nur allzu gern als unbezahlte Arbeitskräfte und Leibeigene ausbeuteten. Zwar traten die Jesuiten unerschrocken den Kampf gegen die Versklavung der Indianer an, doch im Jahr 1767 setzten die Kolonisten schließlich erfolgreich ihre Interessen bei der Krone durch, und der einst blühende Jesuitenstaat wurde gewissermaßen über Nacht durch ein Dekret des spanischen Königs Karl III aufgelöst. Es folgte nun eine turbulente Zeit, die immer wieder durch Kriege und Revolutionen überschattet war. Unter der charismatischen Führung des Diktators Jose Gaspar Rodriguez Francia erlangte Paraguay die Unabhängigkeit. Sein Nachfolger, Präsident Carlos Antonio Löpez, schuf ein geachtetes Staatswesen, baute ca. 400 Schulen, gründete Zeitungen, förderte die Einwanderung ausländischer Spezialisten und schuf eine beachtliche Armee. Nach seinem Tod im Jahr 1862 übernahm sein Sohn, Francisco Solano Lopez, nun die Führung des Landes. Obwohl der Vater den jungen Heißsporn immer wieder beschworen hatte, Konflikte politisch und mit der Feder zu lösen, stürzte der neue Präsident schon im Jahr 1864 Paraguay in den verheerenden Triple-Allianz-Krieg, der zur blutigsten Auseinandersetzung werden sollte, die je auf südamerikanischem Boden stattgefunden hatte. Die einst gigantische Armee schrumpfte auf 480 Soldaten unter den letzten Toten dieses entsetzlichen Krieges befand sich auch der Präsident, der die Truppen angeführt hatte. Von den insgesamt 1,377 Millionen Einwohnern Paraguays überlebten nur 6 000 Männer und rund 220 000 Frauen und Kinder. Das wohlhabendste Land Lateinamerikas war unter der Regentschaft von Marschall Francisco Solano Lopez ausgeblutet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu verstärkten Einwanderungen. Deutsche Siedler gründeten in allen Landesteilen Paraguays Siedlungen, beispielsweise Ho-henau, Nueva Germania, Blumenau oder San Bernardino. Anfang/Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts erreichten deutschsprachige Mennoniten aus Rußland, Kanada und Mexiko Paraguay und ließen sich vornehmlich im unwirtlichen, gefürchteten Gran Chaco nieder. |